Die Geschichte des Schmucks

Eine der merkwürdigsten Eigenschaften des Menschen, mag wohl die Tatsache sein, dass er sich schmückt. Diese ästhetische Gestaltung seines Selbst existiert schon seit Menschengedenken. Es scheint, als hätten wir es schon immer geliebt, alle möglichen Körperteile mit Bändern, Juwelen, Piercings, Ketten oder Ringen zu verschönern. Im Laufe der Zeit wurde diese natürliche Eigenart wie viele andere Dinge davor industrialisiert.

Inhaltsverzeichnis

Schmuck: Weit mehr als nur Zierde

Eines ist und bleibt jedoch allen Kulturen gleich: Die Menschen schmücken sich und machen sich fein. Sie leben ihre Kreativität durch das Herstellen von dekorativen und symbolischen Kunstwerken aus, die sie und Andere an ihren Körpern tragen können. Jede Kultur hatte ihren eigenen spezifischen Schmuck. Es wurde im Laufe der Zeit aus verschiedensten Materialien hergestellt. Generell galt und gilt es als ein spezielles und gut sichtbares Unterscheidungsmerkmal zwischen den Herrschern und den Beherrschten, zwischen Reich und Arm.

Es war einmal…

Den ersten Schmuck fanden Forscher eigentlich sogar lange vor unserer Zeit: Vor sage und schreibe 40.000 Jahren begann schon der Mensch sich Schmuckstücke zu bauen und sich damit zu verzieren. Der Schmuck bestand aus Halsketten und Armbändern aus Knochen, Zähnen und Steinen, die an Tiersehnen genäht waren. Aber die Existenz von Schmuck lässt sich in der Tat noch weiter zurückdatieren: 100.000 Jahre alte Muschelketten, die in Israel und Algerien ausgegraben wurden, gelten als der älteste bekannte Schmuck. Ob dieser Schmuck noch anderen Wert als reine Verschönerung in sich trug, ist heute reine Spekulation: Gut möglich, dass schon damals Schmuck auch zu spirituellen oder rituellen Zwecken genutzt und getragen wurde. Wie es beispielsweise das christliche Kreuz oder der jüdische Stern, die beide auf den religiösen Glauben hinweisen, dem der Träger folgt. Schmuck kann ebenso symbolische Bedeutung haben: Denken Sie an Hochzeitsringe, die Verliebte weltweit sich als Zeichen von ewiger Treue und Zusammengehörigkeit gegenseitig anstecken. Gut möglich ist auch, dass Schmuck damals schon als Geschenk diente.

Wir können also ohne Zweifel festhalten: Mensch und Schmuck sind nicht voneinander zu trennen.

Macht und Reichtum im alten Ägypten

Schmuck wurde wohl niemals nur zur reinen Dekoration verwendet, sondern auch als Statussymbol betrachtet. Später wurde es zwar für praktische Zwecke wie das Zusammenstecken von Kleidungsstücken hergestellt, der wahre Grund Schmuck zu besitzen, war jedoch ein anderer. Im antiken Ägypten wurden die ersten Stücke vor ca. 3.000 bis 5.000 Jahren hergestellt. Die Ägypter verehrten vor allem Dingen den wundervollen Glanz, die Seltenheit und die gute Verarbeitbarkeit von Gold. Ihre unbändige Gier nach Gold war manchmal sogar gefährlich: Im nordafrikanischen Land symbolisierte Schmuck sehr bald Macht. Und um diese Machtsymbole zu bekommen, gingen die Soldaten für ihre Herrscher über Leichen. Die frühen Ägypter hatten reichlich Gold aus den Wüsten Afrikas angesammelt und sich aus den brutal eroberten Königreichen weiteres Gold beschafft. Die wohlhabende Klasse trug es nicht nur zu ihren Lebzeiten, sondern auch nach dem Tod. Ihr ganzes glitzernder und schimmerndes Besitz wurde mit ihnen begraben, um auch im Jenseits seinen Status beizubehalten.

Hier und da: Der Schmuck der Kulturen

In Griechenland bestanden die meisten Schmuckstücke aus Gold, Silber, Elfenbein, Edelsteinen, Bronze und Ton. Nicht nur Menschen, auch Statuen wurden damit realitätsgetreu nach ihren menschlichen Vorbildern geschmückt. Ursprünglich von europäischen Entwürfen beeinflusst, brachte das Aufkommen der römischen Herrschaft in Griechenland um 27 v. Chr. bedeutende Änderungen mit sich. Obwohl von der römischen Kultur beeinflusst, überlebten indigene Entwürfe. Das gängigste Schmuckstück des antiken Roms für Frauen sowie Männer waren Broschen mit denen fließenden Kleider zusammengehalten worden sind. Sie verwendeten Gold, Bronze, Knochen und Perlen. Vor ungefähr 2000 Jahren fing der Import von Saphire aus Sri Lanka und Diamanten aus Indien an. Smaragde und Bernstein wurden ebenfalls verwendet. Die Materialien wurden verarbeitet zu Halsketten, Ohrringen und Armbändern. Sogar große Anhänger zur Aufbewahrung von Parfüm waren beliebt. Das byzantinische Reich, das als östlicher Nachfolger der Römer gilt, setzte die römische Schmuck-Tradition fort. Indien hat die weitreichendst zurückverfolgbare Geschichte der Schmuckherstellung. Um 1500 v. Chr. stellten die Inder ihre Ohrringe und Halsketten aus Gold, Perlen und andere Metalle her. Frauen trugen Lehm- und Muschelarmbänder, meist schwarz lackiert und liebten Diademe, Halsreifen, Broschen und Ohrringe. Später wurde Lehm durch Glas und Metalle ersetzt. In Europa wurde Schmuck hauptsächlich von wohlhabenden Damen und dem Adel, getragen. Reiche Männer beschränkten sich in der Regel auf Siegelringe und Manschettenknöpfe. Die industrielle Revolution hat in vielen Bereichen große und einschneidende Veränderungen bewirkt: Schmuck, immer noch als Statussymbol betrachtet, gab es von nun auch zu einem viel günstigeren Preis für den Mittelklassemarkt. Metalllegierungen ersetzten Gold und Silber und es wurden Kunststeine ​​verwendet, um Schmuckstücke für diesen neuen Markt herzustellen.

Wechselwirkungen: Schmuck als radikale Aussage

Dass Zeitgeist und gesellschaftliche Atmosphäre große Wirkung auf den Markt hat, ist schon im frühen 20. Jahrhundert erkennbar: Damals wuchs die Suffragette Bewegung. Frauen sprachen sich für das Wahlrecht bei öffentlichen Wahlen aus. Diese soziale Veränderung inspirierte Frauen, die feministischen Farben zu tragen: grün, welches Hoffnung symbolisiert; Lila als Symbol für Würde; und weiß als Symbol für Reinheit. Um als Befürworterin erkannt zu werden und seiner Gesinnung Ausdruck zu verleihen wurden die Farben auch in den Schmuckstücken dieser Epoche integriert. Zarte Broschen, Halsketten und Ohrringe in Grün, Lila und Weiß.

Ästhetik heute

Heutzutage gibt unzählig verschiedene Arten von Schmuck. Neuere Ausführungen wie Modeschmuck ist für ihren künstlerischen Einfallsreichtum bekannt. Kunstvolle Ausgestaltungen und originelle Formgebungen wird bei Modeschmuck mehr geschätzt als das Material. Andererseits machen die minderwertigeren Materialien, wie zum Beispiel unedler Metalldraht und Steine, den Modeschmuck preisgünstig und erwerbbar für alle. Ganz im Gegensatz zu den Edelmetallen und Edelsteinen, die in anderen zeitgenössischen Schmuckstücken vorkommen und ein Vermögen kosten können.

Sehr früh in der Menschheitsgeschichte zeigte der Mensch also die Verhaltensweise auf, mit allerlei Dingen aus seiner unmittelbaren Umgebung Schmuck zu gestalten. Ästhetik scheint tief in uns verwurzelt zu sein.

Tags: Schmuck

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